Museum


Archiv wird Ausstellung – Geschichte wird Erfahrung

Die Ausstellung „Ware Dirndl“, die 2021 im Stadtmuseum Dornbirn eröffnet wurde, entstand aus meiner langjährigen Forschungs- und Erschließungstätigkeit im Wirtschaftsarchiv Vorarlberg. Im Mittelpunkt dieser Arbeit stand die wissenschaftliche Verzeichnung des Firmennachlasses der traditionsreichen Textilfirma Franz M. Rhomberg, deren Geschichte über mehr als 160 Jahre die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Vorarlbergs mitgeprägt hat.

Ein zentrales Exponat der Ausstellung war die Büste des Firmengründers Franz M. Rhomberg, die von Viktor Rhomberg, einem Nachfahren der Unternehmerfamilie und letzten Geschäftsführer des Unternehmens, als Leihgabe zur Verfügung gestellt wurde. Sie fungierte als symbolischer Anker zwischen Unternehmensgeschichte, familiärer Erinnerung und öffentlichem Gedächtnis.

Die kuratorische Intention der Ausstellung bestand darin, den Übergang vom Archiv in den musealen Raum sichtbar und erfahrbar zu machen. Archive bewahren historische Quellen und sichern kulturelles Wissen über Generationen hinweg; ihre Bestände bleiben jedoch häufig einem fachlichen Publikum vorbehalten. Erst durch ihre Übersetzung in eine Ausstellung werden Dokumente, Fotografien und Objekte zu Trägern einer erzählbaren Geschichte. Die Ausstellung verstand sich daher nicht als Präsentation historischer Artefakte, sondern als Transformation von Archivgut in kulturelle Erfahrung.

Dieser Transfer bildet einen wesentlichen Bestandteil meiner wissenschaftlichen und kuratorischen Praxis: Archivmaterial wird nicht lediglich dokumentiert oder bewahrt, sondern in neue Bedeutungszusammenhänge überführt. Im Zusammenspiel von Quellen, Objekten und räumlicher Inszenierung entsteht ein Erfahrungsraum, in dem individuelle Biografien, Unternehmensgeschichte und regionale Identität miteinander in Beziehung treten. Die Ausstellung wurde damit selbst zu einem Medium kultureller Erinnerung und zeigte exemplarisch, wie Archivarbeit gesellschaftliche Relevanz entfalten kann.